Liebeskummer: Was passiert mit uns?

von Team Zelltuning
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Es gibt nur wenige Menschen, die das Glück haben, ohne Liebeskummer durchs Leben zu gehen. Die meisten von uns trifft es mindestens ein Mal – nach einer Trennung, wenn wir unglücklich verliebt sind, eine fundamentale Beziehungskrise erleben oder beim Dating immer wieder in Sackgassen geraten. Trotz unterschiedlicher Ursachen sind die Folgen von Liebeskummer in der Regel dieselben.

Wir geraten in einen Strudel aus Emotionen wie Trauer, Wut, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, ziehen uns in unser Schneckenhaus zurück, entwickeln ungesunde Ess- und Schlafgewohnheiten und sind fest davon überzeugt, nie wieder glücklich und vor allem nie wieder verliebt sein zu werden. Die Auswirkungen von Liebeskummer sind ganz unabhängig davon, wie lange eine Beziehung angedauert hat oder ob es sich um eine nie erwiderte Liebe handelt.

Liebeskummer hat immer etwas mit dem Verlust einer geliebten Person zu tun. Es handelt sich deshalb um eine Art der Trauer und sollte als solche auch ernst genommen werden. Denn die emotionale Verlusterfahrung ist die gleiche – egal, ob jemand gestorben ist oder uns bereitwillig verlassen hat. Der Umgang mit Liebeskummer orientiert sich daher an den Methoden der Trauerbewältigung.

Die vielen Symptome von Liebeskummer

Liebeskummer zeichnet sich am offensichtlichsten durch tiefgreifenden Schmerz und Verzweiflung aus. Dieser hat die Fähigkeit, den Betroffenen so sehr zu lähmen, dass einfache Alltagsaufgaben unmöglich erscheinen. Viele verkriechen sich für einige Tage in die eigenen vier Wände, schaffen es kaum zu duschen und drücken nachts kein Auge zu. Während einige in der akuten Zeit des Liebeskummers keinen Bissen herunterbekommen, beginnen andere, die innere Leere mit Nahrung zu füllen. Dies ist weitläufig als „emotional eating“ bekannt.

Konzentrationslosigkeit, Abgeschlagenheit, Ohnmachtsgefühle, Einsamkeit und starke Erschöpfung sind weitere Symptome. Gerade in der ersten Zeit nach dem Verlust stürzen sich nicht wenige in ein Karussell aus Zweifeln und Gedanken, warum der- oder diejenige gegangen ist, was man selbst falsch gemacht hat und wie man das Beziehungsende hätte verhindern können. Solche Gedankenstrudel können im schlimmsten Fall bis in eine milde bis mittelschwere Depression führen.

Gefühle wie Einsamkeit sind typisch für Liebeskummer. Bildquelle: Unsplash, Kristina Tripkovic

Bei vielen von Liebeskummer Geplagten sind zudem ein verringertes Selbstbewusstsein und schwerwiegende Selbstzweifel feststellbar. Wenn der eigene Selbstwert vorher eng an die Beziehung gekoppelt war, steht man nun erst einmal mit leeren Händen da. Viele nehmen die Entscheidung des Partners, die Beziehung zu beenden, persönlich und bleiben mit dem Gefühl zurück, nicht gut genug gewesen zu sein und die Liebe nicht zu verdienen. Das sind zwar Trugschlüsse, da die Entscheidung zur Trennung oft viel mehr mit persönlichen Gründen des Verlassenden zu tun hat als mit dem oder der Verlassenen. Dennoch kann es eine ganze Weile dauern, das eigene Selbstwertgefühl nach einer Trennung wieder aufzurichten.

Liebeskummer verläuft in Phasen

Analog zu den Trauerphasen verläuft auch Liebeskummer in unterschiedlichen Phasen. Diese sind allerdings höchst individuell: Nicht jeder Betroffene durchläuft alle Phasen in derselben Reihenfolge. Als Orientierung können die folgenden fünf Phasen des Liebeskummers betrachtet werden.

  1. Vorahnung: Man hat eine leichte Ahnung, dass die Beziehung sich dem Ende neigt und möchte das jedoch nicht wahrhaben. Viele stürzen sich in Verdrängungsmechanismen, andere versuchen mit allen, in der Regel erfolglosen, Mitteln, die Beziehung noch zu retten.
  2. Schock: Dies ist die akute Phase der Trennung. Ganz gleich, ob man das nahende Beziehungsende geahnt hat oder nicht, trifft einen der tatsächliche Verlust mit ganzer Kraft. Die Folge ist Verzweiflung und das Festhalten an der vergeblichen Hoffnung, dass der Partner doch noch zurückkommt.
  3. Schmerz: In dieser Phase des Liebeskummers wechseln sich Aktion und Resignation ab. Man startet Versuche, die Beziehung doch noch zu retten, und endet immer wieder im resignativen Eingeständnis, dass es vorbei ist. Die Folge sind starke Trauer und Einsamkeit.
  4. Wut: Bei vielen Menschen wandelt die Trauer sich an einem Punkt. Statt dem Partner hinterher zu weinen, kanalisiert man seine Emotionen jetzt in Wut ihm oder ihr gegenüber. Diese Phase ist zwar weiterhin unheimlich schmerzhaft, dennoch wirkt die Wut befreiend und birgt auch ein riesiges kreatives Potential.
  5. Neuorientierung: Langsam aber stetig gewöhnt der oder die Betroffene sich an die neue Lebenssituation. Er oder sie distanziert sich immer mehr vom Ex-Partner und der verlorenen Liebe. Statt ständig in der Vergangenheit festzuhängen, wird der Blick jetzt immer öfter wieder nach vorne und in die Zukunft gerichtet.

Psychologisch betrachtet wird Liebeskummer als Anpassungsstörung diagnostiziert. Das bedeutet, dass jemand Schwierigkeiten damit hat, sich an eine neue Lebenssituation anzupassen. Solch eine Störung hält in der Regel für einige Monate an. Spätestens, wenn nach ein oder zwei Jahren keine Besserung auftritt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Die Auswirkungen von Liebeskummer können auch mit denen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) verglichen werden. Allerdings treten sie beim Liebeskummer kurzfristiger und normalerweise vorübergehender auf.

Liebeskummer biologisch erklärt

Liebeskummer wird oftmals auf die emotionale Ebene reduziert, dabei ist er durchaus auch körperlich und neurobiologisch erklärbar.

Wenn wir verliebt sind, wird unser Belohnungszentrum im Mittelhirn aktiviert. Jedes Mal, wenn wir unseren geliebten Menschen sehen oder von ihm hören, schüttet das Gehirn das Glückshormon Dopamin aus. Dieses kann in der Tat eine Art Abhängigkeit hervorrufen, so dass wir immer mehr von dem haben wollen, was (oder wer) das gute Gefühl in uns auslöst. Unser Partner dient als unsere Droge.

Nach der Trennung befinden wir uns im eiskalten Entzug: Plötzlich erhält unser Gehirn nicht mehr die Impulse, die es gewohnt war. Wir bekommen nicht mehr unsere tägliche Portion Dopamin. Stattdessen werden vermehrt die Stresshormone Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet und der Körper stellt in den Überlebensmodus um. Dieser äußert sich psychisch in Ängsten, Trauer, Schlaflosigkeit oder Depressionen, kann aber auch auf physischer Ebene als Schmerz, zum Beispiel in der Herzregion, wahrgenommen werden.

Hinter einem gebrochenen Herz steckt mehr als nur ein umgangssprachlicher Ausdruck. Bildquelle: Unsplash, Kelly Sikkema

Ein besonderes Phänomen ist das sogenannte Broken-Heart-Syndrom (deutsch: Gebrochenes-Herz-Syndrom). Dieses tritt vor allem bei älteren Frauen auf und äußert sich ähnlich wie ein Herzinfarkt mit Atemnot, Engegefühl in der Brust und starken Schmerzen im Herzraum. Allerdings sind beim Broken-Heart-Syndrom nicht die Herzkranzgefäße verengt, sondern vielmehr die Herzmuskeln als Folge von hohem emotionalem Stress überfordert oder gelähmt. In etwa 5 % der Fälle verläuft dies tödlich. Wissenschaftler wissen also seit spätestens den 90er-Jahren, dass ein gebrochenes Herz tatsächlich weit mehr ist als nur ein landläufiger Ausdruck und in seltenen Fällen sogar zum Tod führen kann.

Warum leiden nicht alle Menschen gleich stark?

Eine interessante und berechtigte Frage ist es, warum bei Liebeskummer nicht alle Menschen gleichermaßen leiden. Ein Faktor ist schon allein das Geschlecht. Psychologen haben festgestellt, dass beispielsweise Frauen stärker, aber dadurch insgesamt kürzer leiden. Männer leiden hingegen anders: Sie können den Verlustschmerz für eine Weile erfolgreich verdrängen, brauchen letztendlich aber länger, bis sie die Trennung komplett verarbeitet haben.

Abgesehen vom Geschlecht hängt es auch vom eigenen Bindungsverhalten ab, wie stark man unter Liebeskummer leidet. Jemand, der sein gesamtes Lebensglück von seiner Beziehung abhängig macht, fällt in ein tieferes Loch als jemand, der seine Beziehung als einen von mehreren glücklichen Lebensbereichen betrachtet hat. Umso mehr andere Säulen ein Mensch in seinem Leben hat, desto schneller kann er sich im Falle einer Trennung selbst auffangen und ablenken.

Psychologen haben außerdem beobachtet, dass vor allem diejenigen stark an Liebeskummer leiden, die eine sehr komplizierte Beziehung geführt haben und beispielsweise einen narzisstischen Partner hatten. Wenn die Partnerschaft stets an erster Stelle stand und die eigenen Bedürfnisse auf lange Zeit zurückgestellt wurden, rächt sich dies mit starkem Liebeskummer und existenziellem Trennungsschmerz.

Liebeskummer als Chance

Auch wenn man es im tiefsten Schmerz nicht sehen und wahrhaben kann, ist jedes Ende auch immer ein neuer Anfang. Eine Trennung kommt selten so aus dem Nichts, wie es sich im ersten Schockmoment anfühlt. Möglicherweise war die Partnerschaft schon länger für beide Seiten nicht mehr so erfüllend wie zu Beginn und anstelle von kribbelnden Schmetterlingen traten Gewohnheit und Abhängigkeit.

Am Ende des schmerzhaften Liebeskummers liegt das Geschenk des Neuanfangs. Sie erhalten die Möglichkeit, sich neu zu erfinden, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie in Zukunft leben möchten. Nutzen Sie die Single-Zeit für sich und Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse. Lernen Sie sich selbst neu kennen und wertschätzen.

Umso zufriedener Sie mit sich selbst sind, umso erfüllter kann eine neue Partnerschaft überhaupt erst werden. Sie haben nun die Chance, sich darüber klar zu werden, was für einen Partner und was für eine Beziehung Sie in Zukunft haben möchten. Sie können die Spielregeln neu definieren und sich von früheren Kompromissen freimachen.

Viele Menschen entdecken erst in schwierigen Zeiten ihre wahren Potentiale und Stärke. Akzeptieren Sie den Trennungsschmerz mit allen dazugehörigen Emotionen und halten Sie fest an dem Wissen, dass er vorübergeht und dem Glauben, dass am Ende etwas Besseres auf Sie wartet.

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1 Kommentieren

Anonym 19. Februar 2021 - 13:40

Ein ganz toller Text, hat mir wirklich sehr gefallen und auch schön und verständlich geschrieben.
Im Grunde genommen muss man seinen Herzen die Zeit geben zum heilen.

Gerne mehr davon..

Viele Grüße

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