Können B-Vitamine vor einem Herzinfarkt schützen?

von Team Zelltuning
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In den letzten Jahren bekam die Gabe von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 eine zunehmende Popularität als Prophylaxe gegen kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Begrifflichkeit der Anti-Aging-Medizin taucht in diesem Zusammenhang ebenfalls immer wieder auf. Doch was genau steckt dahinter und ist da wirklich etwas dran?

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 beruht zum Teil auf seiner Wechselwirkung mit Homocystein, denn sie helfen dabei diese potentiell gefährliche Verbindung im Körper zu reduzieren. Doch fangen wir von vorne an.

Was ist Homocystein?

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, aber nicht direkt mit der Nahrung aufgenommen wird. Vielmehr ist sie ein Stoffwechselprodukt, das entsteht, wenn Methionin abgebaut wird. Methionin ist für den menschlichen Körper essentiell, muss also mit der Nahrung aufgenommen werden. Es kommt in Proteinen aller Lebewesen vor und findet sich vor allen Dingen in tierischen Lebensmitteln, aber auch in Nüssen, Getreide und Hülsenfrüchten. Der Mensch benötigt Methionin hauptsächlich für die Synthese von eigenen Proteinen.

Nur wenn ein Überschuss von Methionin vorliegt, wird es abgebaut. Dabei entsteht unter anderem Homocystein, das nun mit dem Blut durch den Körper zirkuliert. Optimalerweise liegt der Blutwert bei einem gesunden Erwachsenen bei unter 10 µmol/l. Ab einem Wert von 15 µmol/l spricht der Mediziner von einer Hyperhomocysteinämie. Dieser erhöhte Blutwert kann inzwischen mit einer ganzen Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden und stellt ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Risiko dar.

Wenn zu viel Homocystein im Blut ist

Verschiedene Umstände können dazu führen, dass sich ein erhöhter Homocysteinwert im Blut, also eine Hyperhomocysteinämie, einstellt. Hierzu gehören unter anderem:

  • ein Mangel an den Vitaminen B12, B6 oder Folsäure
  • starker Alkoholkonsum
  • hormonelle Störungen
  • genetische Ursachen
  • die Einnahme bestimmter Medikamente
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel

Sehr häufig sind viele dieser Faktoren gemeinsam an der Entstehung einer Hyperhomocysteinämie beteiligt.

Neben diesen äußeren Faktoren steigt außerdem mit dem Alter der Homocysteinspiegel natürlicherweise stetig an. In einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2019 diskutierten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen dem ansteigenden Homocystein im Blut, dem Alterungsprozess an sich und dem Auftreten altersbedingter chronischer Erkrankungen. Sie gehen davon aus, dass das Homocystein zumindest einen Beitrag am altersbedingten Rückgang von Zellfunktion und Gewebedegeneration hat und so die Entstehung altersbedingter chronischer Erkrankungen zusätzlich beschleunigt.

Unabhängig vom Alterungsprozess konnten zahlreiche Studien einen klaren Zusammenhang zwischen einer Hyperhomocysteinämie und einem erhöhten Risiko für unterschiedliche Erkrankungen belegen.

Erkrankungen, die mit Homocystein im Zusammenhang stehen

Homocystein stellt besonders für vaskuläre Erkrankungen einen unabhängigen Risikofaktor dar und steigert bei einer Erhöhung das Risiko für Bluthochdruck, Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dabei ist es zunächst unerheblich, welche Ursache die Hyperhomocysteinämie hat. In der Medizin wird davon ausgegangen, dass sie für etwa 10 Prozent des gesamten kardiovaskulären Risikos verantwortlich ist. Experten empfehlen daher, den Homocysteinspiegel von Menschen mit vaskulären Erkrankungen zu kontrollieren und die Werte gegebenenfalls durch therapeutische Maßnahmen zu reduzieren. Diese liegen in einer kombinierten Gabe von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12.

Ein besondere Fall von einer vaskulären Erkrankung ist die vaskuläre Demenz. Sie entsteht, wenn Durchblutungsstörungen im Gehirn dazu führen, dass Nervenzellen absterben. Mit der Zeit schleicht sich eine irreparable kognitive Funktionsstörung ein, die umso ausgeprägter ist, je mehr Nervenzellen zugrunde gegangen sind. Hauptrisikofaktor für eine vaskuläre Demenz ist Bluthochdruck, doch auch ein gesteigerter Homocysteinspiegel rückt zunehmend in den Fokus der Demenzforscher. Bei einer ganzen Reihe unterschiedlicher Demenzerkrankungen und kognitiver Beeinträchtigungen konnte inzwischen ein erhöhter Homocysteinspiegel nachgewiesen werden. Auch wenn die Verabreichungen von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 in solchen Fällen von vielen Experten empfohlen wird, gibt es noch keine routinemäßige Anwendung bei der Therapie einer Demenz. Weitere Studiendaten sind hier von Nöten.

Auch Erkrankungen des Auges, wie die Makuladegeneration, konnten mit einem gesteigerten Homocysteinspiegel in Zusammenhang gebracht werden. Bei dieser Erkrankung, die häufig altersabhängig auftritt, kommt es durch Durchblutungsstörungen im Auge zu einer schleichenden Reduktion der Sehkraft. Eine Studie aus dem Jahr 2005 konnte zeigen, dass bei Patienten mit einer Makuladegeneration der Homocystenspiegel signifikant erhöht und gleichzeitig der Vitamin B12-Spiegel signifikant reduziert war. Nur vier Jahre später zeigte eine Studie aus Boston, dass eine Supplementierung der Vitamine B6, B12 und Folsäure bei Frauen mit einem erhöhten Risiko scheinbar vor einer Entstehung einer altersbedingten Makuladegeneration schützen kann.

Eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen werden derzeit auf einen Zusammenhang mit Homocystein untersucht. Dazu gehören unter anderem Migräne, Krebs und Nieren- oder Darmerkrankungen. Erste Ergebnisse deuten auch hier auf eine Korrelation hin. Die Forschung bleibt spannend.

Was hat es mit den Vitaminen auf sich?

Der Abbau von Homocystein kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen, die entweder Folsäure, Vitamin B6 oder Vitamin B12 als Coenzym benötigen. Ein Mangel dieser Vitamine korreliert aus diesem Grunde mit einem erhöhten Homocysteinspiegel im Blut, der wiederum durch Verabreichung ebendieser Vitamine wieder reduziert werden kann.

Gerade ein Vitamin B12-Mangel ist in der Bevölkerung nicht selten. Ursachen kann eine vegetarische oder vegane Ernährung, Alkoholismus, Alter oder unterschiedliche Erkrankungen sein. Da sich ein Mangel nur schleichend bemerkbar macht, aber schwerwiegende Folgen mit sich bringen kann, raten Ärzte zu einer regelmäßigen Überprüfung der Blutwerte bei Risikopersonen alle zwei Jahre. Ein Teil der Folgeschäden eines Vitamin B12-Mangels lässt sich auf das gesteigerte Homocystein zurückführen.

Grundsätzlich ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung ausreichend, um den Homocysteinspiegel im Zaum zu halten. Da allerdings sehr viele Faktoren zusammen kommen, kann eine zusätzliche Einnahme von Folsäure, Vitamin B6 oder Vitamin B12 angeraten sein, damit Folgen einer andauernden Hyperhomocysteinämie reduziert werden können. Mögliche Kandidaten für eine Supplementierung sind:

  • alte Menschen
  • Veganer
  • Patienten mit kardiovaskulären oder neurodegenerativen Erkrankungen
  • Patienten mit einem allgemein erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. durch Übergewicht, Bluthochdruck, mangelnde Bewegung)
  • Alkoholiker

Eine Supplementierung, gerade wenn therapeutische Ziele im Vordergrund stehen, sollte immer mit einem Arzt besprochen werden und auf Grundlage aktueller Blutwerte erfolgen. Auch eine kombinierte Ernährungsumstellung kann sinnvoll sein.

Fazit

Zahlreiche Studien konnten einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Homocysteinspiegel und unterschiedlichen chronischen Erkrankungen feststellen. Eine Erhöhung des Homocysteins wird durch eine ausreichende Versorgung mit Folsäure und den Vitaminen B6 und B12 von vornherein verhindert. Die Vitamine können darüber hinaus einen bereits gestiegenen Homocysteinspiegel wieder reduzieren.

Daher sind sie in der Lage das Risiko für die Entstehung unterschiedlicher Erkrankungen um den Anteil zu reduzieren, den das Homocystein ausmacht. In der Praxis bedeutet dies, das chronische Erkrankungen durch eine ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen zwar nicht verhindert werden können, denn schließlich spielen auch andere Risikofaktoren eine Rolle, doch das Gesamtrisiko wird nachweislich reduziert.

Menschen mit einem Verdacht auch eine Unterversorgung dieser Vitamine sollten mit ihrem Arzt über eine mögliche Supplementierung sprechen, um beginnende chronische Erkrankungen zu verlangsamen oder deren Entstehungswahrscheinlichkeit grundsätzlich zu reduzieren.

Anmerkung:

Relevante Studien sind direkt im Text verlinkt.


Der Zelltuning Gesundheitstipp

  • Bei einem erhöhten Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung ist es ratsam, den Homocysteinspiegel im Blut regelmäßig bestimmen zu lassen
  • eine Erhöhung kann rechtzeitig durch eine Ernährungsumstellung oder Supplementierung mit Folsäure oder den Vitaminen B6 und B12 behandelt werden
  • eine Supplementierung erfolgt am besten in Rücksprache mit einem Arzt
  • zusätzliche Risikofaktoren sollten nicht aus dem Blick geraten

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