Homöopathie: Was steckt hinter der Alternativmedizin?

von Team Zelltuning
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Allein die Tatsache, dass immer mehr gesetzliche Krankenkasse die Behandlung mit Homöopathie zumindest teilweise übernehmen, zeugt von der Beliebtheit dieser alternativen Medizin. Viele Menschen wünschen sich sanfte, natürliche und ganzheitliche Therapieformen und greifen zu homöopathischen Mitteln – auch wenn die Wirksamkeit dieser wissenschaftlich umstritten ist.

Was die Homöopathie ausmacht, wie eine homöopathische Therapie abläuft und wann diese wirksam sein kann erfahren Sie im folgenden Artikel.

Wie die Homöopathie entstanden ist

Die Homöopathie wird in ihrer jetzigen Form bereits seit mehr als 200 Jahren praktiziert. Als Begründer gilt der deutsche Arzt und Chemiker Samuel Hahnemann (1755 – 1843). Dieser war mit den zu seiner Zeit üblichen medizinischen Methoden unzufrieden, unter anderem, da Medikamente gefährliche Inhaltsstoffe wie Blei oder Quecksilber enthielten und er Methoden wie Aderlässen und Brechkuren als unangemessen empfand.

In den 1790er Jahren legte er durch ein Selbstexperiment eher zufällig den Grundstein für die Homöopathie: Bei der Übersetzung eines schottischen Werks zur Arzneimittellehre konnte er nicht glauben, dass Chinarinde zur Behandlung von Malaria beitragen könne. Da er selbst bereits eine Malariaerkrankung durchstanden hatte, war er neugierig und nahm über eine Zeit lang zweimal täglich kleine Mengen Chinarinde ein. In Folge litt er an ebenjenen Symptomen, die typisch für Malaria sind.

Die Homöopathie hat ihren Ursprung im späten 18. Jahrhundert. Bildquelle: Unsplash / Fotograf Zdenek Machacek

Hahnemanns Schlussfolgerung war jene, dass gewisse Stoffe bei kranken Menschen die Symptome heilen können, die sie bei gesunden Menschen hervorrufen. Um diese These zu überprüfen und zu unterstützen, führte er einige Jahre lang viele weitere Experimente an sich und seiner Familie durch.

Im Jahr 1796 veröffentlichte Hahnemann dann seine Forschungsergebnisse in einer renommierten Fachzeitschrift und begründet mit diesen die von ihm geschaffene Homöopathie. Jedoch lassen sich bereits in den alten Schriften von Hippokrates Zeilen finden, die dem homöopathischen Ansatz entsprechen.

Definition & Grundsätze der Homöopathie

Der Name Homöopathie setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „homoios“ (= ähnlich) und „pathos“ (= Leiden) zusammen. Übersetzt bedeutet der Begriff also in etwa „ähnliches Leiden“ und deutet auf das zugrundeliegende Ähnlichkeitsprinzip, Gleiches mit Gleichem zu heilen, hin.

Wichtig für das Verständnis dieser Behandlungsmethode ist es, dass die Homöopathie den Menschen als ganzheitliches System betrachtet und sich dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele bewusst ist. Eine Krankheit stellt eine Störung dar, die sämtliche Bereiche des Patienten betrifft. In der Homöopathie wird niemals nur ein Symptom behandelt, sondern stets die Ursache von diesem.

Dabei basiert die Alternativmedizin auf drei wesentlichen Grundsätzen:

  • Ähnlichkeitsprinzip
  • Reiz- und Regulationsprinzip
  • Prüfung der homöopathischen Mittel an Gesunden

Das Ähnlichkeitsprinzip

Die Ähnlichkeitsregel „Similia similibus curentur“ ist das wichtigste Grundprinzip der homöopathischen Wissenschaft. Diese besagt, dass Beschwerden mit dem Mittel geheilt werden können, das die zu behandelnden Symptome bei gesunden Menschen auslösen würde.

Ein veranschaulichendes Beispiel dazu ist Bienengift. Die meisten Menschen reagieren auf einen Bienenstich mit Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. In der Homöopathie wird dieser Mensch nun mit Bienengift in einer bestimmten Herstellung behandelt. Eine niedrige Dosis Bienengift soll die Reaktion auf die hohe Dosis Bienengift durch den Stich heilen können.

Dieses Prinzip kann auch bei ähnlichen Beschwerden durch unterschiedliche Auslöser angewandt werden – Bienengift bzw. Apsinium kann also auch eingesetzt werden, wenn die Symptome nicht die Reaktion auf einen Insektenstich sind.

Das Reiz- und Regulationsprinzip

Eng mit dem Ähnlichkeitsprinzip verbunden ist das Reiz- und Regulationsprinzip. Das verabreichte Mittel stellt einen Reiz dar, der im Körper wichtige Prozesse zur Regulation der Reaktion auslösen soll. Ziel der Homöopathie ist es dabei, die Selbstheilungskräfte des Patienten anzuregen.

Dem Selbstverständnis dieser Alternativmedizin nach reicht ein schwacher Reiz in Form eines homöopathischen Arzneimittels, um den Menschen und seine Gesundheit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Prüfung der homöopathischen Mittel an Gesunden

Die Homöopathie selbst unterstreicht ihren naturwissenschaftlichen Ansatz inklusive klinischer und toxikologischen Beobachtungen. Um die Wirksamkeit eines Arzneimittels zu überprüfen, wird dieses an gesunden Menschen getestet. Die ausgelösten Symptome und Reaktionen werden beobachtet und detailliert festgehalten. So wird überprüft, ob ein Mittel die ausgelösten Beschwerden bei einem kranken Menschen heilen kann.

Was bedeutet Potenzierung?

Ein homöopathisches Mittel zeichnet sich dadurch aus, dass der verwendete Wirkstoff auf eine bestimmte Weise potenziert wurde. Mit einer Potenzierung ist im Grunde nicht viel anderes als eine Verdünnung gemeint.

Die Ausgangssubstanz wird stufenweise verarbeitet und dabei mehrfach verdünnt und per Hand verschüttelt. Es gilt die Auffassung, dass ein Stoff umso wirksamer ist, je stärker er potenziert wurde. Eine geringere Konzentration steht also für eine höhere Wirkung.

Die Homöopathie unterscheidet zwischen D-, C- und Q-Potenzen:

  • D-Potenzen sind sogenannte Zehnerpotenzen, das bedeutet, dass der Wirkstoff um das Zehnfache verdünnt wurde. Die Potenz D8 heißt, dass der Stoff achtmal um das Zehnfache verdünnt wurde, D30 entsprechend, dass er dreißigmal um das Zehnfache verdünnt wurde.
  • Bei C-Potenzen handelt es sich um Hunderterpotenzen, die Ausgangssubstanz wurde also um das Hundertfache verdünnt.
  • Q-Potenzen oder auch LM-Potenzen sind im Verhältnis 1:50.000 verdünnt. Die Abkürzung stammt aus dem Lateinischen (“quinquagies millesimus”).

Auf der Molekularebene ist ab Potenzen von D24 bzw. C12 quasi kein Wirkstoff mehr enthalten oder zumindest nachweisbar. Die Lehre der Homöopathie sagt, dass der Stoff nun vielmehr auf feinstofflicher und energetischer Ebene wirkt.

Ein Wirkstoff wird in der Homöopathie spezifisch potenziert, d.h. verdünnt. Bildquelle: Unsplash / Pretty Drugthings

Grundsätzlich ist die Verdünnung im Rahmen der Potenzierung bei vielen Wirkstoffen schon allein dadurch notwendig, dass es sich um eigentlich giftige Stoffe handelt. Er in einer ausreichenden Verdünnung sind diese unbedenklich und können gar heilsam wirken.

Während in der klassischen Homöopathie stets nur ein Wirkstoff gleichzeitig verschrieben wurde, hat sich aufgrund der Erfahrungen der letzten zweihundert Jahre auch eine Komplexmittel-Homöopathie etabliert. Diese fasst ähnlich oder ergänzend wirkende Substanzen in einem Komplexmittel zusammen und verspricht so gute synergistische Effekte.

Hohe Potenzierung ist nicht zur Selbstdosierung empfohlen

Hochpotenzen wirken sehr tiefgreifend und spezifisch und sollten nur nach der Beratung durch einen erfahrenen Homöopathen eingenommen werden. Niedrigpotenzen hingegen können auch zur Selbstmedikation verwendet werden und wirken bei verschiedenen, ähnlichen Beschwerden.

Der Ablauf einer homöopathischen Behandlung

Was die homöopathische Behandlung von der Schulmedizin unterscheidet, ist auch die ausführliche Erstanamnese. Diese dauert bis zu zwei Stunden, da sich der Homöopath ausreichend Zeit nimmt, um das Individuum in seinen Beschwerden, Besonderheiten und Lebensumständen zu verstehen. So kann er ein Gesamtbild ableiten, welches das Fundament für die weiterführende Therapie bildet. Ergänzt wird die Erstanamnese zudem mit ausgewählten klinischen Untersuchungen.

Anschließend listet und gewichtet der Homöopath die Symptome des Patienten und sucht das Arzneimittel, dass die größte Ähnlichkeit zu diesen besitzt. Die Mittel werden in der Homöopathie also individuell verschrieben, so dass sie bestmöglich zum Krankheitsbild des Patienten passen.

In der Regel werden homöopathische Mittel in Form von Globuli oder Tropfen verabreicht. Bei Globuli handelt es sich um kleine Zuckerkugeln, auf die der Wirkstoff aufgesprüht wird. Seltener kommen auch Schmelztabletten, Injektionen oder Salben zum Einsatz. Der behandelnde Homöopath legt die Potenzierung fest und gibt Anweisungen, wie häufig und über welchen Zeitraum das Arzneimittel eingenommen werden soll.

Der Patient sollte anschließend seine Reaktionen auf das Mittel sowie mögliche Veränderungen der Symptomatik genau beobachten und regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt halten. In einer Folgeanamnese wird über den weiteren Therapieverlauf entschieden.

Wie wirksam sind homöopathische Mittel?

Klar ist: Das Feld der Homöopathie bewegt die Gemüter. In den letzten Jahren wurden vielzählige Studien durchgeführt, um die Wirksamkeit dieser kontrovers diskutierten Heilkunde zu prüfen. Auch, wenn es immer wieder Studienergebnisse gibt, die eine Wirksamkeit nahelegen, kann auf Basis der derzeitigen Forschungslage nach heutigem Wissenschaftsverständnis keine Wirksamkeit der homöopathischen Mittel sicher nachgewiesen werden.

Diese Tatsache hindert zahlreiche Menschen aber nicht daran, weiterhin auf die Alternativmedizin zu setzen. Viele halten sich an die Einstellung „es schadet nicht, und vielleicht wirkt es sogar“. Immer wieder in Zusammenhang mit der Homöopathie gebracht wird der sogenannte Placebo-Effekt. Vielleicht geht es den Patienten allein durch das Einnehmen von Mitteln, die eine Wirkung versprechen, besser.

Womöglich spielen auch die individuelle Beratung und das Zeitnehmen der Homöopathen eine Rolle. Die Patienten fühlen sich gesehen, verstanden und mit ihren Beschwerden ernst genommen. Allein das ist ein großes Unterscheidungsmerkmal zur Schulmedizin, in der ein Arzt häufig nur 10 bis 15 Minuten Zeit pro Patienten hat.

Insbesondere zur Linderung von Alltagsbeschwerden oder harmlosen Erkrankungen kann der Einsatz von Homöopathie also durchaus einen Versuch wert sein. Auch kann diese Behandlungsmethode eine gute Ergänzung zu schulmedizinischen Therapien darstellen.

Vorsicht sollten Sie allerdings walten lassen, wenn es sich um ernsthafte Erkrankungen handelt. Auch viele Homöopathie-Verbände selbst raten beispielsweise davon ab, eine Krebserkrankung ausschließlich homöopathisch zu behandeln. Stattdessen kann die Alternativmedizin in einem solchen Fall eingesetzt werden, um die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu vermindern.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Homöopathie gemacht? Wir freuen uns über Ihren Erfahrungsbericht in den Kommentaren!

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